Das Schulkonkordat HarmoS ist umstritten

Podium mit Moderator Franz Mächler, Kantonsrat Bruno Dudli und Erziehungsrat Urs Blaser (v. r.). (Bild: Ernst Inauen)
 
Tagblatt Online, 2. Juli 2016, 02:45 Uhr

Vor der ordentlichen Hauptversammlung der FDP-Regionalpartei Wil-Untertoggenburg legten bei einem Podiumsgespräch Befürworter und Gegner der Initiative «Ausstieg aus dem HarmoS-Konkordat» ihre Argumente dar. Die Bevölkerung des Kantons St. Gallen stimmte dem Konkordat 2008 zu.

ERNST INAUEN

ZUZWIL. Die Meinungen über das HarmoS-Konkordat gehen weit auseinander. Der interkantonalen Vereinbarung über eine Harmonisierung der obligatorischen Schule sind zehn Kantone beigetreten, elf Kantone blieben fern. Um etwas mehr Informationen über das komplexe Thema zu verbreiten, organisierte die FDP-Regionalpartei ein öffentliches Podiumsgespräch, zu dem auch Nichtmitglieder eingeladen waren. Das Interesse war auch recht gross, wie die zahlreiche Anwesenheit vor allem von SVP-Mitgliedern zeigte.

«Von Fesseln befreien»

Unter der Leitung von Moderator Franz Mächler argumentierten Kantonsrat Bruno Dudli, SVP, als Befürworter und Urs Blaser, Schulpräsident, Erziehungsrat, Stadtrat Gossau, als Gegner der Initiative. Bruno Dudli beleuchte die Ausgangslage des HarmoS-Konkordats und die aktuelle Situation im Kanton St. Gallen, wo die Bevölkerung 2008 dem Konkordat zustimmte. Bruno Dudli setzt sich vehement für einen Austritt ein. «Unsere Zielsetzung ist der Austritt aus dem HarmoS-Konkordat. Der Kanton St. Gallen soll sich aus den HarmoS-Fesseln befreien.» Die Nachbarkantone Thurgau, Appenzell und Graubünden lehnten einen Eintritt ab. Auch bei den Lehrpersonen habe eine Umfrage bezüglich Fremdsprachen gegensätzliche Meinungen ergeben, sprach Dudli den Fremdsprachenunterricht des Lehrplans 21 in der Primarschule an.

Die Argumentation gegen einen Austritt aus dem HarmoS-Konkordat präsentierte Urs Blaser. Gemäss Artikel 62 der Bundesverfassung regeln die Kantone das Schulwesen. In gewissen Bereichen kann der Bund Vorschriften erlassen, wenn keine Harmonisierung erreicht wird. Artikel 15 des Sprachengesetzes fordert, dass die Schülerinnen und Schüler am Ende der obligatorischen Schulzeit über Kompetenzen in mindestens einer zweiten Landessprache und einer weiteren Fremdsprache verfügen. Er widerlegte die Meinung, dass das Konkordat die Schulhoheit der Kantone beeinträchtige. Es koordiniere nur die wesentlichen Eckpunkte des Schulwesens. In den letzten zehn Jahren habe sich die Dauer der obligatorischen Schulzeit in der Primar- und Sekundarstufe vereinheitlicht. «Die Volksschule im Kanton St. Gallen mit ihren 50 000 Schülern und 6500 Lehrpersonen war schon vor dem Beitritt zum Konkordat «HarmoS-kompatibel», so Blaser.

Offene Meinungsbildung

Nach den ausführlichen Argumentationen fühlte Moderator Franz Mächler den Rednern mit provokanten Fragen auf den Zahn. Dudli sieht zwei Fremdsprachen in der Primarschule nicht als förderlich an, zuerst sollten die Schüler in der Muttersprache sattelfest sein. Die Herausforderung beim Fremdsprachenunterricht sei von der Intensität abhängig, sagte Blaser. Bei der heutigen Mobilität sei eine Harmonisierung sehr wichtig. Trotz Kritik habe der Kanton St. Gallen ein vorbildliches Bildungssystem. Nach dem spannenden Streitgespräch kamen auch aus dem Publikum kritische Voten für oder gegen das HarmoS-Konkordat und die Schulbildung im Allgemeinen. Eine klare Meinung zu HarmoS kristallisierte sich nicht heraus.