FLAWA setzt auf Standort Schweiz

Tagblatt, 30. Januar 2016, 02:45 Uhr

Der Flawiler Nicolas Härtsch ist seit rund zwei Jahren CEO der Flawa AG. Auch in vierter Generation wird die Aktiengesellschaft von einem Familienmitglied geleitet. (Bild: Aaron Ehrat)

Im Rahmen einer FDP-Veranstaltung fand am Donnerstagabend eine Firmenbesichtigung bei der Flawa AG in Flawil statt. CEO Nicolas Härtsch sprach über das schwierige Geschäftsjahr, über Unsicherheit und Vertrauen.

AARON EHRAT

FLAWIL. Während der einstündigen Führung durch die Produktionswerke und das Lager der Flawa AG konnte man unter anderem einen Einblick in die Watteherstellung sowie die Produktion der weltweit bekannten Frischesohlen der Flawa gewinnen. Wo früher Stilleinlagen produziert wurden, findet zur Zeit ein Umbau statt, damit nachher eine grössere Kapazität zur Produktion von Medizinprodukten entstehen kann. Aus dem Geschäft der Stilleinlagen hat sich die Flawa komplett zurückgezogen. Nach der Führung referierte CEO Nicolas Härtsch kurz über die aktuellen Entwicklungen und die wirtschaftliche Lage.

Berechtigte Unsicherheit

Als Nicolas Härtsch Ende 2013 bei der Flawa einstieg und am 1. Januar 2014 zum CEO wurde, entschied er sich bald, die vorhergesehene Produktionsverlagerung nach Polen nicht mehr weiter zu verfolgen. Im Januar 2013 hatte die damalige Geschäftsführung den Abbau von 100 der 150 Stellen in Flawil beschlossen. Watte und Stilleinlagen hätten neu in Polen produziert werden sollen. «Eine Standortverschiebung hätte nur die geographische Verschiebung des Problems dargestellt. Sie wäre keine Lösung gewesen», sagt Härtsch. Diese Meinungsänderung löste bei der Belegschaft weitere Unsicherheit aus. Und diese sei vollkommen berechtigt gewesen, zumal er keine Erfahrung im Bereich der Geschäftsleitung hatte, sagt Härtsch. Er war zuvor als Anwalt tätig. Seit 2007 ist er Mitglied im Verwaltungsrat der Flawa.

Vertrauen neu aufgebaut

Um das Vertrauen neu aufzubauen und die Arbeitsbedingungen zu verbessern, führte die Geschäftsleitung eine monatliche Mitarbeiterkommunikation ein. «Dies gibt den Mitarbeitern die Möglichkeit Feedback anzubringen und zu hören, wie die wirtschaftliche Lage aussieht», sagt Härtsch. Der junge Unternehmer versucht, auch im Betrieb eine hohe physische Präsenz zu zeigen. «Wenn ich ein Anliegen an meine Mitarbeiter habe, gehe ich zu ihnen, anstatt sie zu mir ins Büro zu rufen. Dies schafft schon ganz andere Grundbedingungen», sagt er.

Enorme Auswirkung des Euro

Der starke Franken der letzten Jahre hatte enorme Auswirkungen auf das Unternehmen, denn 57 Prozent des Umsatzes wird in Europa gemacht. Das Unternehmen, das seit vier Generationen in Familienbesitz ist, hat einen Exportanteil von 65 Prozent. Vor allem die Aufhebung der Eurountergrenze im vergangenen Januar löste im Betrieb eine grosse Verunsicherung aus. Man habe aber sofort klargestellt, dass es keine Massnahmen auf Kosten von Angestellten geben würde und versucht einen kühlen Kopf zu bewahren.

«Obwohl die finanzielle Lage in der Schweiz momentan äusserst schwierig ist, gibt es viele Gründe, die für den Standort Schweiz sprechen», sagt Härtsch. Es gäbe hier eine grosse Rechtssicherheit. Des weiteren habe die Flawa ihre Identität in Flawil, was sehr wichtig sei. Die meisten Mitarbeiter kommen aus dem Einzugsgebiet von Flawil und haben so die Möglichkeit sich am Gesellschaftsleben zu beteiligen, um damit einen Ausgleich zu schaffen.

Starker Franken bringt Chancen

FLAWIL. Anschliessend an die Führung und das kurze Referat von Nicolas Härtsch fand eine Podiumsdiskussion statt. Neben Nicolas Härtsch nahmen FDP-Kantonsrat und Regierungsratskandidat Marc Mächler und der Flawiler Gemeinderat und FDP-Kantonsratskandidat Erich Baumann daran Teil. FDP-Kantonsratskandidatin Susanna Hofmann leitete die Diskussion.
Hauptthema war dabei der Eurokurs und dessen zukünftige Auswirkungen für die Schweizer Wirtschaft. Nicolas Härtsch sieht neben den Schwierigkeiten, die der starke Franken bringt, auch Chancen. «In dieser schwierigen Situation kommt es zu Solidarität zwischen Betrieben. Man hilft sich gegenseitig aus. Das mag ich.» Des weiteren wurde die SVP Durchsetzungs-Initiative thematisiert. Alle Teilnehmer der Podiumsdiskussion lehnen diese ganz klar ab. Sie sei gefährlich für die Schweizer Wirtschaft, so Marc Mächler. (AaE)