Der Hof zu Wil strahlt wieder: 2021 bewilligte das Stimmvolk für die dritte Bauetappe knapp 22 Millionen Franken. Nun fordert die Stiftung zusätzlich 4,9 Millionen Franken; weitere Fragen rund um den Betrieb bleiben offen. Wir Wiler Steuerzahlerinnen und -zahler sollten uns schon einmal warm anziehen. Und wofür dieses viele Geld? Für einen Männer-Hof.
Die Räume wurden prominent nach Männern benannt – Frauennamen sucht man vergebens. Die Verantwortlichen bezeichnen das Museum Hofwelten als modern und schweizweit vorzeigbar. Doch wie modern können die Hofwelten und der Hof zu Wil sein, wenn sie die Hälfte der Bevölkerung praktisch unsichtbar machen? Für unsere weibliche Bevölkerung gilt: bezahlen ja – Sichtbarkeit und Wertschätzung: lieber nicht.
Der Hof zu Wil vermittelt damit ein erstaunlich hinterwäldlerisches Bild unserer Stadt bezüglich Gleichstellung. Das ist besonders problematisch, wenn dafür Millionen aus öffentlichen Kassen fliessen. Mit dieser Kritik konfrontiert, versteckt sich der Stiftungsrat hinter der Geschichtsschreibung. Doch Geschichte ist Auswahl: Menschen entscheiden heute, was sichtbar gemacht wird. Gästezimmer im Haus zum «Roten Gatter» sollen dereinst Frauennamen tragen; Das Museum könnte zudem das Thema der Frauenrolle ergänzen.
Lamentieren hat die Gleichstellung schon immer verschleppt. Wer Frauen auf den Nebenschauplatz «Rotes Gatter» verweist, während die repräsentativen Räume exklusiv den Männern gehören, macht schlicht weiter wie bisher. Auch als Vater von drei Kindern, darunter zwei Töchter, finde ich das beschämend. Ohne Druck verändert sich wohl nichts. Vielleicht braucht es eine Petition, damit aus dem «Hof zu Mann» doch noch ein zeitgemässer Hof zu Wil wird.
Immerhin: Vor einem Raum finde ich dann doch noch ein sichtbares Zeichen für die Existenz von Frauen: Der WC-Anlage.
Roger Edelmann,
Stadtparlament, FDP
(Orginalartikel: Wiler Nachrichten, 19.08.2026 (Link ePaper))