Hof zu Wil: Zuerst klare Verhältnisse schaffen

Die Informationsveranstaltung der Stiftung Hof zu Wil hat aus Sicht der FDP Wil zentrale Fragen zur millionenschweren Finanzierungslücke offengelassen. Bevor die öffentliche Hand einspringt, müssen die Ursachen, Verantwortlichkeiten und möglichen rechtlichen Konsequenzen umfassend geklärt werden. Der historisch bedeutende Hof zu Wil verdient eine professionelle, transparente und verantwortungsvolle Führung.

Die Infoveranstaltung der Stiftung Hof zu Wil am vergangenen Mittwochabend hat aus Sicht der FDP Wil mehr Fragen hinterlassen als beantwortet. Besonders irritierend war, dass im Wesentlichen vermittelt wurde, dass eigentlich niemandem etwas vorgeworfen werden könne und dass die Stiftung nun schlicht Geld brauche.

Umso erstaunlicher war, dass ausgerechnet die aus Sicht der FDP zentrale Person für die Aufarbeitung der Vorgänge fehlte: Hans Mäder. Wenn es um die Entstehung der heutigen Finanzierungslücke in Millionenhöhe geht, wäre seine Anwesenheit und Stellungnahme mehr als wünschenswert gewesen.

Wesentlich erscheint: Bevor die Steuerzahlerinnen und Steuerzahler für die fehlenden Millionen einer privaten Stiftung aufkommen sollen, müssen zunächst die Verantwortlichen in die Pflicht genommen werden – und nicht umgekehrt.

Im Zentrum des Interesses steht die Frage, weshalb der Stiftungsrat (wie an der Infoveranstaltung indiziert) in voller Kenntnis des Kalkulationsfehlers des Architekten und trotz fehlender finanzieller Mittel ohne wesentliche Anpassungen am Bauprojekt festzuhalten schien. Mit anderen Worten sind zunächst mögliche zivil- und strafrechtliche Verantwortlichkeiten sowohl des Architekten als auch der Stiftungsräte (und damit eine Kostentragung durch diese) zu klären. Eine wesentliche Rolle kommt dabei auch der Aufsichtsbehörde zu. Erst bei klaren Verhältnissen sollte als ultima ratio über eine Beteiligung der Steuerzahlerin und des Steuerzahlers diskutiert werden.

Macht man es umgekehrt, werden die Steuerzahlerin und der Steuerzahler bei unklaren Verhältnissen als Rettende einer taumelnden privaten Stiftung vorgeschickt und es besteht nach allgemeiner Lebenserfahrung das Risiko, dass die offenbar strukturellen Probleme der Stiftung nach einer allfälligen finanziellen Unterstützung nicht mehr abschliessend geklärt und damit auch pro futuro nicht gelöst werden.

Der vergangene Mittwochabend hinterliess jedenfalls den Eindruck, dass es dem Stiftungsrat bei den entscheidenden Fragen an der notwendigen fachlichen Tiefe fehlt. Das ist sehr bedauerlich. Der Hof zu Wil ist ein historisch bedeutendes Gebäude und verdient eine professionelle und verantwortungsvolle Führung. Ob die Steuerzahlerinnen und Steuerzahler unter den gegenwärtigen Umständen im Umfang der bestehenden Finanzierungslücke einspringen sollen, erscheint nach heutigem Kenntnisstand zumindest fraglich.